Mit Ordnung im Außen zu mehr Ruhe im Inneren: Tipps für Familien zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Kennst du das auch? Alle müssen pünktlich außer Haus, aber irgendwer sucht immer irgendwas. Das kann schnell zu Konflikten führen.

Ordnung im Außen kann viel Ruhe schenken und die brauchen wir doch alle, wenn es darum geht Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen.

Wenn es ordentlich ist, ist automatisch auch mehr Zeit da, denn es muss nichts mehr gesucht werden, wenn alles an seinem Platz ist. Und heute verrate ich dir, wie du es schaffst Ordnung in deine vier Wände zu bringen und diese auch zu halten.

Weniger Zeug – mehr Zeit: Mülltonnen-Therapie

Eines steht jedenfalls fest: je weniger vorhanden ist, desto weniger muss aufgeräumt werden. Da die meisten von uns viel zu viel besitzen führt am Anfang kein Weg am Aussortieren vorbei.

Um in den Ausmist-Flow zu kommen, empfehle ich anfangs gern die sogenannte „Mülltonnen-Therapie“. Dabei handelt es sich um eine schnelle Ausmistrunde, bei der man sich einen Korb oder einen Sack schnappt und diesen so schnell wie möglich mit 21 Dingen füllt.

21 Dinge einfach so weg zu werfen klingt vielleicht viel, aber es ist einfacher als man denkt. Fast jeder hat in Schubladen und Schränken z. B. abgelaufene Medikamente oder Lebensmittel, alte Flugblätter, kaputte Kleidung, Küchenutensilien, die nie benutzt werden oder man bringt einfach nur den Glasmüll, der seit Wochen darauf wartet entsorgt zu werden zum Recycling. Auf die korrekte Mülltrennung solltest du natürlich achten. Dabei geht es erstmal wirklich nur um eindeutig unbrauchbare Dinge, an denen man nicht emotional hängt. Wenn du dann schon einmal im “Ausmist Flow” bist, wird es dir leichter fallen weiter zu machen.

Dann beginnst du ganz klein – am besten mit einer Schublade. Ich empfehle immer mit jener anzufangen, die dich am meisten nervt. Zum Beispiel die Küchenschublade, die jedesmal klemmt, wenn du sie öffnen möchtest oder die Vorzimmerschublade, in der du beim Verlassen der Wohnung immer lange nach den wichtigen Dingen suchen musst. Oft dauert das nur wenige Minuten und man ist durch das Ergebnis motiviert weiter zu machen.

Arbeite dich dann Zone für Zone weiter. Starte ruhig mit einer kleinen Fläche, damit du nicht überfordert bist. Sobald du dies erledigt hast, nimm dir die nächste Zone vor.

Dein Weg zu mehr Ordnung

So gehst du am besten Schritt für Schritt vor:

  1. Zunächst muss ALLES, wirklich alles, aus dem jeweiligen Kasten bzw. der Schublade rausgeholt werden. Achtung es wird chaotisch: ABER es wird immer schlimmer, bevor es besser wird – das Rausräumen ist aber wichtig, da man somit quasi eine leere Leinwand vor sich hat und sich außerdem der Masse an Dingen, die man besitzt, bewusst wird.
  2. Bilde danach sinnvolle Kategorien. Gib Gleiches zu gleichem. zB. alle Backutensilien zusammen, alle Langarmshirts zusammen, alle Puzzles zusammen usw.
  3. Danach wird aussortiert: mach dazu mehrere Stapel: Behalten, Wegwerfen, Spenden und Verschenken; nimm alles einmal in die Hand und entscheide, auf welchen Stapel der Gegenstand wandern soll. Gibt es ihn in mehrfacher Ausführung? Werden wirklich so viele davon benötigt? Ist es womöglich defekt, abgelaufen oder nicht mehr richtig verwendbar? Dann sollte es unbedingt aussortiert werden. Wurde es im letzten Jahr kein einziges Mal verwendet? Dann nicht lange überlegen und sich davon verabschieden.
  4. Dann wählst du den richtigen Aufbewahrungsplatz aus: Dinge, die man selten benötigt, können ganz nach oben geräumt werden oder in den Abstellraum/Keller/Dachboden wandern. Du solltest auch so wenig Dinge wie möglich hintereinander aufbewahren. Verwende bei tiefen Schränken Boxen, um auch in die hinterste Lage zu kommen. Finde vor allem sinnvolle Plätze zB. Sollten Gläser und Geschirr in der Nähe des Geschirrspülers aufbewahrt werden, die Schals gleich bei der Eingangstüre usw.

Ein Platz für alles und alles an seinem Platz

Der oberste Grundsatz dabei ist, dass alle Dinge einen bestimmten Platz haben sollten und auch immer wieder dorthin zurück geräumt werden müssen. Alle Haushaltsmitglieder sollten wissen, wo dieser Platz ist.

Erst nach diesen Schritten sollte über die optimalen Aufbewahrungsbehälter/-boxen nachgedacht werden. Sie sollen praktisch und langlebig sein und passend für das Regal oder den Schrank sein. Also unbedingt vorher ausmessen!

Abschließend sollte alles beschriftet werden! Beschriftungen sind essentiell, denn so weiß jedes Haushaltsmitglied, wo etwas zu finden und auch wieder zu verräumen ist. Für Kinder, die noch nicht lesen können, können dafür Piktogramme verwendet werden.

Praktische Tipps für den Familienalltag

Der erste und wichtigste Punkt: Lass Hilfe zu: niemand muss alles alleine schaffen. Gib manche Aufgaben ab, wenn es möglich ist.

Wochenplan und Essensplan

Vereinfache dir und euch das Leben. Gehe einmal die Woche alle Termine der Familie, die in der kommenden Woche anstehen, durch und plane dementsprechend, was zu erledigen ist. Das Kind startet Ende der Woche mit dem Tenniskurs? Muss dafür noch etwas besorgt werden? Wann wird es besorgt? Wer besorgt es? Alles, was aufgeschrieben ist, ist erstmal aus dem Kopf raus. Und so eine ToDo Liste, lässt auch bestens erkennen, wer wofür zuständig ist. So gibt es weniger Konfliktpotenzial.

Erstelle auch einmal die Woche einen Essensplan und somit auch eine Einkaufsliste, damit du weißt, was alles eingekauft werden soll. Eventuell reicht so ein Großeinkauf pro Woche?! Du kannst außerdem die Möglichkeit nutzen, Lebensmittel nach Hause zu bestellen und so Zeit zu sparen.

Hier findest du eine Vorlage für einen Essensplan.

Spielzeugrotation

Je mehr Spielzeug vorhanden ist, desto mehr muss am Ende des Tages eingeräumt werden. Rotiere also am besten die Spielsachen: das heißt du räumst manche Spielsachen für einige Zeit weg und nach ein paar Wochen kommen diese wieder „zum Vorschein“. So wird das „alte“ Spielzeug wieder zum Highlight und der Überblick geht nicht verloren.

Achte auf gute Erreichbarkeit für Kinder

Alles, was die Kinder selbst wegräumen können sollen, muss in Kinderhöhe aufbewahrt werden. Nur so können sie selbständig darauf zugreifen und vor allem auch selbständig wegräumen. Bringe zum Beispiel Haken für die Jacken im Eingangsbereich auf Höhe der Kinder an. Achte bei Spielzeugkisten darauf, dass sie leicht her- und weggeräumt werden können. Spiele können, wie Bücher, am besten senkrecht nebeneinander gestellt, anstatt übereinander gestapelt werden. So verhindert man, dass der ganze Stapel umfällt, wenn etwas herausgenommen wird.

Achte auf freie Flächen

Versuche nur das Innere einer Kommode oder eines Schranks als Ablage zu verwenden. Stelle auch nicht nur kurz etwas ab, denn das wirkt wie ein Magnet und es wird immer mehr dazu gestellt bis plötzlich die ganze Fläche übersäht mit diversen Gegenständen ist. Dazu ein Tipp:

Implementiere einen Junk Basket

Ein Korb, in dem Dinge zwischengeparkt werden dürfen, um schnell freie Flächen zu schaffen. Wir haben unseren direkt neben dem Esstisch stehen. So können wir Dinge, die auf dem Esstisch liegen, wenn wir keine Zeit haben, sie an den richtigen Platz zu räumen, schnell zwischenparken.

So wandern Stifte, Malbücher, Kuscheltiere usw. einfach mal kurz in den Junk Basket. Dieser wird entweder am Abend oder spätestens wenn er voll ist, wieder ausgeräumt und alles wird an seinen Platz gebracht. Auch die Eingangspost könnte in so einem Korb an einer zentralen Stelle gesammelt werden, anstatt sie an mehreren Orten verstreut abzulegen.

Routinen

Das A und O um Ordnung halten zu können sind Routinen. Ein solche könnte z.B. sein, dass die ganze Familie vor dem Abendessen eine schnelle Aufräumrunde startet. Macht es euch lustig, dreht euer Lieblingslied auf und versucht bis zum Ende des Liedes alles an den richtigen Platz zu räumen. Lobe deine Kinder nach getaner Arbeit, so sind sie fürs nächste mal motivierter.

Kinder spielerisch zum Aufräumen motivieren:

Dazu noch grundlegende Tipps: Wenn alles gut zugänglich in Kategorien ist, ist es für die Kinder oft schon wie ein Spiel, es wieder richtig einzuordnen. Wenn Bücher nach Farben sortiert aufbewahrt werden, werden sie eher an die richtige Stelle zurück geräumt

  • Wegräum-Spiel: Spielt, dass die Autos in die Garage (= Ordnungsbox) fahren und die Puppen in die Boxen schlafen gelegt werden
  • Basketball spielen: versucht alles Herumliegende von der Ferne in die Boxen zu werfen
  • Timer stellen – Stelle einen Timer und macht eine Challenge draus, wer mehr in vorgegebener Zeit wegräumen kann.
  • Farbenspiel: Gib dem Kind den Auftrag alle blauen Dinge wegzuräumen.
  • Buchstabenspiel: Gib dem Kind den Auftrag alles, was mit einem bestimmten Buchstaben beginnt wegzuräumen.
  • Stop Tanz: Tanze gemeinsam mit deinem Kind und wenn die Musik stoppt werden fünf Dinge in die richtige Box zurück geräumt
  • Losen: alle Aufgaben werden auf Zettel geschrieben und jeder zieht ein Los und erledigt die Aufgabe, die darauf steht (Legosteine wegräumen, Bücher einsortieren,…)
  • Quiz Show: Eine Frage wird gestellt. Wer die Antwort weiß „darf“ ein Ding wegräumen.
  • Würfeln: Jeder würfelt abwechselnd und räumt so viele Dinge ein, wie er gewürfelt hat

Vergiss nicht, dass die Vorbildwirkung enorm wichtig ist. Also schau auch du, dass du deine Dinge immer an ihren Platz zurück räumst und nicht alles herumliegen lässt.

Zum Abschluss noch etwas GANZ WICHTIGES: Man darf nicht das Gefühl haben den gewonnenen Raum mit neuen Dingen füllen zu müssen. Ziel ist es einmal auszumisten und danach umzudenken und nicht mehr so viel zu konsumieren und sich an seinem einfacheren Leben mit mehr Ordnung zu erfreuen. Genießt den Freiraum, den euch ein halbleeres Regal gibt. Genießt den Freiraum, den euch ein leerer Terminkalender am Wochenende gibt. Mehr Platz zu haben, ist ein Gewinn! Gerade Kinder benötigen Platz. Wenn ihre Zimmer voll geräumt sind, sind sie oft überfordert und spielen gar nichts. Wenn dein Schreibtisch in Unterlagen versinkt, ist auch das Arbeiten mühsamer.


Mit der äußeren Ordnung in deinen eigenen vier Wänden, wirst du mehr Leichtigkeit verspüren. Versprochen!